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Harald Jüngst

Ein germano-irischer Zwitter - Geschichten • Hörbücher • Lesungen

Geschichten

Geschichten finden immer ihre eigene Weise erzählt zu werden. Wie die zerklüfteten Hänge eines Berges, die anmutige Biegung eines Flusses oder die Ringe, die ein jedes Lebensjahr einer alten Eiche markieren – Geschichten neigen sich hinab, um ihre Geheimnisse jenen zuzuflüstern, die Ohren haben, um zu hören.

In Irland wurden jenen Geschichten von Generation zu Generation über die Jahrhunderte weitergereicht. In Zeiten, da das geschriebene Wort verboten war, schien das Andenken der einfachen Leute seine Klinge eben noch eilfertiger zu schärfen und die Leute lernten zuzuhören, zu sehen und ihrer Phantasie freien Lauf zu lassen. Sie hörten das Getöse der Götter und Giganten im Donnern des Himmels, die Musik der Feen im Rauschen der Flüsse, sie sahen durch die Nebelschleier über Tälern und Hügel gebreitet die Grenzen der Anderwelt.

Als der Tag des gedruckten Wortes kam, wurden die Geschichten vom alten Pfad der Stimme auf die makellose Weiße einer Buchseite geführt, nicht zuletzt durch die Arbeit von berühmten Sammlern wie Hans Christian Andersen. Die Gebrüder Grimm aus Hanau in Deutschland zählten zu jenen, die Augen und Ohren Irland zuwandten und sie übersetzten die gesammelten Märchen von Thomas Croker. Doch so bedeutend all ihre Bemühungen auch waren, indem sie viele Erzählbände zusammen sammelten, so wären doch jene Männer unter den ersten gewesen, die dem Hören einer Geschichte Vorrang vor dem Lesen gäben.

Das ist ein Grund warum es heute, in den jungen Jahren des 21. Jahrhunderts, eine große Wiederbelebung des Interesses im Geschichtenerzählen auf der ganzen Welt gibt.

Es ist, als ob ein Augenblick bevorsteht, in dem die Menschen unseres Planeten ein universelles Auge erleben, welches sich vor dem unbarmherzigen Glühen von Fernsehen und Technologie ausdehnt. Es ist das Nahen einer Zeit, da der Geist das Verlangen nach Individualität verspürt und verstopfte Ohren dagegen aufbegehren, die gleiche Geschichte in gleichen Worten von der gleichen Stimme in jedem Winkel der Welt im gleichen Augenblick erzählt zu bekommen. Um es noch einmal zu sagen: es ist die Zeit des Geschichtenerzählens.

Harald Juengst aus Duisburg im Ruhrgebiet in Deutschland ist ein Geschichtenerzähler, dessen Leben ihn aus einem der hochindustrialisiertesten Winkel der Welt in die ruhige Entlegenheit von Donegal geführt hat. An jenen Orten und auf vielen Straßen dazwischen, hielt er an zuzuhören und zu lernen, aus seiner Erfahrung als Musiker und Radiomoderator schöpfend, um sich einige der klassischen Mythen und Legenden Irlands einzuverleiben. Er ein Gefühl für den Klang einer Sprache und seine Überarbeitungen und Übersetzungen von Geschichten haben großen Anklang bei Kindern jeden Alters gefunden – von 9 bis 99 – während seiner vielen Auftritte in Deutschland.

Für jene, die vielleicht nie die Möglichkeit haben werden eine dieser Auftritte zu besuchen und für jene, die gern noch einmal die Erzählungen hören möchten, schließt dieses Hörbuch die Lücke und wird den Weg vieler verkürzen. Die Abenteuer von Riesen wie Finn Mac Cumhaill enthüllen, dass, wenn man gerade in Schwierigkeiten steckt, Köpfchen/die unsichtbaren Muskeln des Gehirns (wörtlich)/ mindestens ebenso wichtig ist/sind wie seine Muskeln spielen zu lassen, um aus dem Schlammassel wieder herauszukommen. Folge dem unglaublichen Zeittunnel, hinein in ein Labyrinth des Alters auf den Spuren von Art, Neart und Ceart und begleite die Kinder des Königs Lir auf ihren herzzerbrechenden Reisen.
Ich könnte noch mehr verraten, doch das werde ich nicht, denn die Geschichten warten darauf von Dir entdeckt zu werden.

Und Geschichten finden immer ihre eigene Weise erzählt zu werden.

Colum Sands Januar 2005